MINT TANK
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Dr. Hans Riegel-Akademie (digital)

Die Dr. Hans Riegel-Akademie findet alle zwei Jahre statt. Normalerweise kommen zu diesem Anlass immer mehr als 200 Gewinner*innen der Dr. Hans Riegel-Fachpreise aus allen Jahrgängen zu einer viertägigen Konferenz zusammen und nehmen an einem abwechslungsreichen Programm aus Vorträgen, Workshops und Exkursionen teil. Pandemiebedingt musste die Veranstaltung 2021 digital stattfinden, was dem Abwechslungsreichtum und auch der Begeisterung der Teilnehmer*innen jedoch keineswegs schadete. Knapp 200 MINT TANK-Mitglieder nahmen am 24. und 25. September 2021 an der digitalen Konferenz teil und erlebten ein spannendes, interaktives Programm. 

  • Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Stefan Rahmstorf zum Thema „Die unterschätzte Klimakrise“ (Dr. Stefan Rahmstorf ist Professor für Physik der Ozeane und Leiter der Forschungsabteilung für Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Seine Mission ist „die wissenschaftlichen Grenzen der Klimaforschung für globale Nachhaltigkeit fächerübergreifend zu erweitern und Lösungen für eine sichere und gerechte Klimazukunft anzubieten“. Im Aufgabenfokus steht dabei der Erkenntnisgewinn zum Erdsystem mit der Abschätzung von Klimarisiken sowie der Erforschung von Politikoptionen.)
  • Keynote-Vortrag von Dr. Viola Priesemann mit dem Titel „Von der Theorie der Ausbreitungsdynamik zur Eindämmung von COVID-19“ (Dr. Viola Priesemann ist Leiterin der Max-Planck-Forschungsgruppe „Dynamik Neuronaler Systeme“ am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und Entwickelt mathematische Modelle für die Informationsverarbeitung im Gehirn. Mit ähnlichen Methoden beschrieb sie die Ausbreitung des Coronavirus und konnte die Wirkung des ersten Lockdows quantifizieren.)
  • Kurzvorträge zu unterschiedlichen naturwissenschaftlichen Themen in Kleingruppen: 

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3 Fragen an Dr. rer. nat. Aida Naghilou...

„Die Menschen waren schon immer von der Natur fasziniert und haben von dieser gelernt. Ich bin der Meinung, dass dieser Trend sich fortsetzen wird, und unter anderem von Haifischhaut gelernt werden kann wie man antimikrobielle Oberflächen herstellt, oder die Imitation einer schmerzfreien Injektion anhand von Mosquitos. Besonders hervorheben möchte ich auch die Tiere, über welche ich in meinem Vortrag sprechen werde, die Spinnen, welche der Menschheit als Vorlage für Rettungsroboter dienen könnten.“

„Ein Vorurteil gegen MINT-Studiengänge ist, dass sie abstrakt sind. Das Großartige an der Bionik ist aber, dass sie greifbar und näher am Leben ist, vor allem wenn man dabei von Tieren lernt. So macht Bionik das Abstrakte von MINT vorstellbarer und könnte somit das Interesse von Nachwuchswissenschafter*Innen leichter wecken.“

„Ich interessiere mich für interdisziplinäre Arbeit, um das Gesamtbild von Phänomenen auf mehreren Ebenen zu verstehen, daher entschied ich mich für ein Chemiestudium. Während meiner Studienzeit habe ich mich auf die Physikalische Chemie konzentriert, um meine beiden Interessen zu kombinieren. Nach Abschluss meines Doktoratsstudiums wechselte ich an die Medizinische Universität Wien, um mein Fachgebiet zu erweitern und meine Kenntnisse aus der Physikalische Chemie im Bereich der Biomaterialien und des Tissue Engineerings einzusetzen.“

3 Fragen an Prof. Dr. Karsten Pinkwart...

„Das Ausrufezeichen steht dafür, dass wir an dem Thema „Wasserstoff“ nicht vorbeikommen. Wir müssen diese industrielle Revolution anpacken und dies aus zwei Gründen. Einerseits gilt es den Klimawandel aufzuhalten, indem die Erderwärmung unter der Grenze von 1,5°C gehalten wird. Dies gelingt nur, wenn der weitere Ausstoß von Kohlenmonoxid, welches dann keine Verwendung findet, in die Atmosphäre gestoppt wird. Ein zweiter wichtiger Treiber sind unsere natürlichen fossilen Ressourcen. Diese neigen sich dem Ende und in einigen Jahrzehnten werden sie wirtschaftlich nicht mehr abbaubar sein. Da nahezu alles auf diesen Energieträgern basiert, brauche wir eine Alternative und diese heißt Wasserstoff.“

„Nun Wasserstoff als Energieträger stand und steht im Wettbewerb zu allen anderen möglichen Energieträgern für Antriebstechnologien. Es war nun einmal einfacher einen flüssigen Energieträger wie Benzin oder Diesel herzustellen, zu speichern, zu transportieren und dann in einer Verbrennungskraftmaschine zu verbrennen. Die kalte Verbrennung von Wasserstoff in einer Brennstoffzelle ist gut verstanden. Jedoch wurde aus meiner Sicht für die breite Einführung dieser Technologie mit der mobilen Anwendung ein extrem anspruchsvolles Segment ausgewählt. Hier muss die Technologie zum Beispiel extreme Einflüsse wie Temperaturen oder Erschütterungen meistern. Wäre eine Brennstoffzelle als erstes als Energieversorgungssystem (thermische und elektrische Energie) für Haushalte entwickelt worden, mit konstanten Umgebungstemperaturen oder keinem mechanischen Stress hätte die Chance bestanden diese Technologie umfassend kennenzulernen, um sie dann in einem nächsten Schritt in die Mobilität zu überführen. In Japan werkeln mehr als 200.000 BZ-Systeme in Privathaushalten.

Ferner gehören zu einer Verbrennungskraftmaschine mehr als 5000 Teile nebst den dazugehörigen Arbeitsplätzen. Im Vergleich hierzu benötigt ein elektromotorischer Antrieb gerade einmal ca. 500 Teile. D.h. hier musste erst ein massives Umdenken stattfinden und Möglichkeiten gefunden werden, um dies umzusetzen. Mit dem Schritt in die Elektromobilität ist nun schon einmal ein erster Schritt getan. Nun wird sich zeigen, welcher Energieträger bzw. -speicher für welche Anwendung eingesetzt wird. In Bezug auf dieses ist es wichtig in der Übergangsphase technologieoffen zu sein und auch zu bleiben, denn der Weltmarkt ist noch lange nicht aufgeteilt bzw. verteilt.“

„Ja natürlich aber nicht nur dort wo die Sonne scheint, sondern auch dort wo starke Winde wehen, werden zukünftig Standorte für die Wasserstoffherstellung entstehen. Neben der elektrischen Energie wird aber auch Wasser benötigt und dies am besten hochrein. Es wird also mit wichtig sein, darauf zu achten, dass hier keine Ungleichgewichte in Bezug auf die Ressourcen und die Menschen, die diese gleichfalls benötigen entstehen. Hierfür müssen globale Handelsregelungen geschaffen werden. Deutschland ist diesbezüglich mit H2Global bereits einen großen Schritt gegangen.“

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