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Bildung

MINT TANK-Seminare 2021

Dank des großen Outdoor-Anteils konnte das Seminar zu Biodiversität in Präsenz stattfinden. Auch das Seminar „Mathe meets Chemie“ wurde unter strengen Sicherheitsauflagen in Präsenz durchgeführt. Das Seminar am CERN und auch die P2X-Sommerwerkstatt mussten dagegen digital ablaufen. 

Seminar "Biodiversität"

20 Teilnehmer*innen aus dem MINT TANK-Netzwerk erwartete vom 22.07. bis 25.07.2021 ein vielseitiges Seminar zum Thema „Biodiversität“ mit hohem praktischen Anteil. Das Programm startete in der Zoologischen Staatssammlung München, wo die Gruppe drei Impulsvorträge hörte, bevor eine Besichtigung in zwei Teilgruppen („Vögel und ausgestorbene Arten“ mit Markus Unsöld und „Marine Wirbellose und Mollusken“ mit Michael Schrödl“) stattfand:

  • Prof. Dr. Hanno Schäfer „Wo sind die blühenden Landschaften geblieben?”

    Prof. Dr. Hanno Schaefer von der TUM School of Life Sciences ist Professor für Biodiversität der Pflanzen. Die Arbeitsgruppe von Prof. Schaefer verbindet Methoden der Ökologie, Biogeographie, Mo-lekularen Phylogenetik und Systematik, um den Ursprung und die Evolution von Arten und Ökosyste-men zu verstehen. Sein Vortrag wird sich um die Biodiversität der Pflanzen drehen.

  • Prof. Dr. Sara Leonhardt „Bestäuberrückgang und Biodiversitätskrise: Was ist dran am "Bienensterben“?“

    Prof. Dr. Sara Leonhardt ist Professorin für Pflanze-Insekten Interaktion und in ihrer Arbeitsgruppe untersuchen sie die chemi-schen und ökologischen Mechanismen, welche Interaktionen zwischen Pflanzen und Insekten zu Grun-de liegen. Laufende Projekte in Europa und den Tropen befassen sich mit Interaktionen zwischen Bie-nen und Blütenpflanzen sowie mit dem Einfluss verschiedener Habitate und von Biodiversitätsgradien-ten auf Gesundheit und Fitness von Bienen. Ihr Vortrag wird daher auch vom engen Zusammenhang zwischen Biodiversitätskrise und Insekten-/Bienensterben handeln.

  • Prof. Dr. Michael Schrödl „Arten, Klima - Future?"

    Prof. Dr. Michael Schrödl ist Sektionsleiter in der Zoologischen Staatssammlung München. Sein For-schungsgebiet ist die Systematik und Diversität der Mollusken. Für uns hält er einen Vortag zu Thema „Arten, Klima – Future?“ Biodiversitätskrise im Lichte aktueller Entwicklung. Im Anschluss daran führt er uns noch durch die Sammlung. Da sich die Zoologische Staatssammlung aktuell im Umbau befindet, wird er nur einen kleinen Teil mit uns besichtigen können.

Am nächsten Tag fand u. a. eine Naturführung im Murnauer Moos, dem größten ursprünglichen und noch immer intakten Moor des Alpenvorlandes, und eine Fahrradexkursion statt. Es führt die verschiedensten Stadien im Werdegang eines Moores vor Augen: verschiedene Orchideenarten und blütenreiche Streuwiesen mit seltenen Relikten der Eiszeit. In der Führung ging es um die Entstehung des Murnauer Mooses, die Entwicklung zu Nieder- und Hochmoor, Quelltrichter, Seen und seine Köchel. Es wurde darüber hinaus vieles über Pflanzen und Tiere im Moos, die Moosverlosung und die Arbeit in diesem wertvollen Naturschutzgebiet vermittelt.

Am dritten Tag stand eine Exkursion zum Alpengarten am Schachen auf dem Programm, der seit mehr als 100 Jahren vom Botanischen Garten München-Nymphenburg als Außenstation im Wettersteinmassiv betrieben wird. Die Lage auf 1.860 m Höhe ermöglicht die Kultur von über 1.000 Pflanzenarten aus den verschiedensten Hochgebirgen, von den heimischen Alpen bis zum fernen Himalaja. Die Wanderung wurde begleitet von Frau Prof. Dr. Gudrun Kadereit (Professorin für Systematik, Biodiversität und Evolution der Pflanzen an der LMU, Direktorin des Botanischen Gartens München-Nymphenburg und Direktorin der Botanischen Staatssammlung München) und Dr. Andreas Gröger (Oberkonservator und wissenschaftliche Betreuung des gesamten Freilandes in München sowie des Alpengartens am Schachen).

Am letzten Tag gab es unter dem Arbeitstitel „Biodiversität und Klimaschutz – Regional vs. Global“ noch eine Gesprächsrunde inkl. abschließender Reflexion mit zwei Expert*innen, welche die politische und regionale Perspektive mit der wissenschaftlichen Komponente verbinden sollte:  

  • Florian Diepold-Erl

    Für die Umsetzung und Koordinierung der Energie- und Klimaschutzmaßnahmen wurde im Oktober 2016 ein Klimaschutzmanager für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen eingestellt. Herr Florian Diepold-Erl ist für die Koordinierung des gesamten Umsetzungsprozesses auf Landkreisebene und für den interkommunalen Abstimmungsprozess zuständig. Er ist in einer Region aktiv, die durch starke Gegensätze geprägt ist. So hat zum Beispiel nicht nur der Skitourismus einen hohen Stellenwert, sondern auch die traditionelle Almwirtschaft. Im Gespräch hat er u. a. erklärt, welche Schwerpunkte der Landkreis im Klimaschutz setzt.

  • Tessy Lödermann

    Frau Tessy Lödermann blickt bereits auf eine bewegte und vielfältige Karriere zurück. Als einstiges Mitglied des Bayrischen Landtags, im Ausschuss für Landesentwicklung und Umweltfragen, ist sie seit mehreren Jahrzehnten im Umwelt- und Tierschutz aktiv. Für ihr Engagement wurde Frau Lödermann vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande sowie dem Bayerischen Tierschutzpreis. Aktuell ist sie die Vertreterin des Landrates von Garmisch-Partenkirchen. Die Abschlussrunde hat sie mit ihren politischen Erfahrungen und Kenntnissen sowie durch einen Blick auf die globale Perspektive bereichert.

Impressionen aus dem Seminar:

Seminar "Spaß an Formeln"

Vom 04. bis 07. November 2021 kamen XYZ Teilnehmer*innen aus dem MINT TANK-Netzwerk für ein Seminar mit dem Titel „Spaß mit Formeln“ im Arbeitnehmerzentrum Königswinter zusammen. Zu den Programm-Highlights gehörten u. a.: 

  • Dr. Hagen Söngen "Reaktionskinetik selbst numerisch simulieren"

    Dr. Söngen hat mit seinem Unternehmen eine Software entwickelt, mit der man aus Daten und Gleichungen interaktive Visualisierungen für Wissenschaft, Technik und die Lehre erzeugen kann. Die Teilnehmer*innen des Seminars konnten in 2er Teams selbst chemische Versuche virtuell steuern, auswerten und anpassen.

  • Prof. Dr. Stefan Grimme "Proteinstrukturen vorhersagen“

    Prof. Dr. Grimme hat im Zuge seines Vortrags über die Verbindungen zwischen Informatik, Chemie und Mathematik gesprochen, welche er in diversen von ihm entwickelten Anwendungen ausnutzt. Der theoretische Chemiker, der an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn lehrt, entwickelt quantenchemische Methoden und wendet sie auf verschiedenste chemische Problemstellungen an. Sein Hauptinteresse gilt großen Molekülen und der Frage, wie deren geometrische und elektronische Struktur, chemische Reaktionen und spektroskopische Eigenschaften effizient und extrem schnell mit modernen Computern berechnet werden können. Mit seiner Arbeitsgruppe hat Grimme Simulations-Softwarepakete entwickelt, die weltweit in der akademischen Forschung, aber auch in der Industrie routinemäßig verwendet werden.

Weitere Programmpunkte:

Seminar "Power2X - Anwendung in der chemischen Industrie"

In Kooperation u. a. mit dem WWF wurde das zweite Jahr in Folge die „Power2X-Sommerwerkstatt“ veranstaltet – dieses Jahr musste die viertägige Veranstaltung jedoch coronabedingt digital stattfinden. Die Sommerwerkstatt ist Teil des Kopernikus Projekts P2X, welches als breites Bündnis von Forscher*innen, Industrievertreter*innen und NGOs aus ganz Deutschland die Chancen, Risiken und zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten der Power-to-X Technologie erforscht und dabei einen Weg in eine CO2-neutrale Zukunft skizziert. 

Neben diversen Fachvorträgen und interaktiven Praxisparts gab es auch gebührend Raum für Diskussion und Vernetzung. 

Programmpunkte:

Seminar "CERN und die dunkle Materie"

Bis zum Schluss hatten alle Beteiligten gehofft, dass die Veranstaltung in Präsenz vor Ort stattfinden könnte, aber auch beim diesjährigen CERN-Seminar ließ es die Pandemielage leider nicht zu. Doch auch die digitale Variante war ein echtes Erlebnis: 

Das Programm begann mit einer Einführung in das CERN durch den Beschleunigerphysiker Hector Garcia-Morales, der aktuell an der Optimierung des LHC-Kollimationssystems für das HL-LHC-Upgrade arbeitet und parallel dazu an vielen Outreach- und Bildungsaktivitäten am CERN teilnimmt. Während seiner Promotion erwarb Hector Garcia-Morales noch einen Master-Abschluss in Wissenschaftskommunikation. Einen geeigneteren Einstieg in eine CERN-Veranstaltung kann man sich also kaum vorstellen.

Danach stand eine virtuelle Besichtigung des ATLAS Detektors auf dem Programm, die von PD Dr. rer. nat. habil. Sascha Mehlhase geführt wurde. Mehlhase, der an der LMU München arbeitet, ist bekannt dafür ist, ein ganzes Repertoire an Kommunikationswerkzeugen entwickelt zu haben, um Teilchenphysik der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Es folgten zwei Vorträge: Zum einen von Dr. Johanna Gramling über die „Suche nach der Dunklen Materie“ und zum anderen von Mariana Moreira über „Das Awake-Experiment“. Dr. Johanna Gramling erhielt für ihre Forschungen den CHIPP-Preis des Schweizer Instituts für Teilchenphysik (Swiss Institute of Particle Physics/CHIPP), der renommierteste Auszeichnung im Bereich der Schweizer Teilchenphysik gilt. Das Awake-Experiment (Advanced Proton Driven Plasma Wakefield Acceleration) ist ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt für Beschleuniger, das eine neue Methode erforscht, um Teilchen auf hohe Energien zu beschleunigen und dabei die Strecke zu verringern, die man zum Beschleunigen der Teilchen braucht.

Den krönenden Abschluss lieferte jemand, der selbst Teil des MINT TANK-Netzwerkes ist: Dr. Lukas Sohl gewann im Jahr 2012 den 1. Preis im Fach Physik bei den Dr. Hans Riegel-Fachpreisen an der RUB. Nach dem Abitur im gleichen Jahr ging es in den folgenden zehn Jahren kontinuierlich weiter in Sachen Physik: Bachelor sowie Master of Science an der RUB, CERN Summer Student, Promotion an der Universite Paris-Saclay in Physik (Entwicklung von Gasdetektoren für Experimente in der Teilchenphysik) und parallel Arbeit am französischen Atomforschungsinstitut CEA im Labor der Detektorentwicklung für Fundamentalphysik, DESY Fellowship Position im Bereich der Teilchenphysik mit eigenständigen Detektorforschungsprojekten in der ALPS Gruppe. Ein inspirierendes und motivierendes Beispiel zum Abschluss einer gelungenen Veranstaltung…

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