Walls of Vision
Duisburg
Bildende Kunst

WALLS OF VISION Duisburg

Nach Gelsenkirchen und Essen ist WALLS OF VISION nun auch in Duisburg vertreten: Das Künstlerduo A P H E N O A H interpretierte das historische Kunstwerk „Die Weizenernte“ von Émile Bernard am Stapeltor 13 in Duisburg.

Im Jahr 2020 wurden in Essen jeweils ein Werk von Jean-François Millet und Vincent van Gogh durch die renommierten Rotterdamer Künstler TELMO MIEL interpretiert. Wie bei Millet und van Gogh sind auch bei Émile Bernard die bedeutendsten Werke von der ursprünglichen Natur inspiriert. Naturverbundenheit spielt eine wesentliche Rolle im Kunstprojekt WALLS OF VISION, dessen Zielsetzung es ist, historische Kunstgüter zu erhalten bzw. relevant zu halten und sie einer breitgefächerten Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen. Insofern ist das Werk „Die Weizenernte“ von Émile Bernard eine konsequente Weiterentwicklung der Reihe.

Das ist aber längst nicht alles, was Émile Bernard zu einem interessanten Künstler für WALLS OF VISION macht. Bernard war bekannt für seinen Mut zum Wandel und sein Streben nach einer unabhängigen Kunst, bei dem er oftmals dem Zeitgeist und etablierten Leitbildern trotzte. Er wurde damit zum Impulsgeber und Inspirator zahlreicher nachfolgender Künstler*innen. U. a. die Kunsthalle Bremen würdigte dies im Jahr 2015 mit dem trefflichen Ausstellungstitel „Am Puls der Moderne“.
Émile Bernard war nicht vorhersehbar. Das Künstlerduo A P H E N O A H griff dies in seiner Interpretation auf, denn wer bei dem WALLS OF VISION immanenten Transferieren des historischen Kunstwerks in die Gegenwart bzw. Zukunft z. B. mit einem hochmodernen, möglicherweise autonomen Mähroboter gerechnet hatte, wurde darin nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil: Die Künstler erhielten das Motiv der Handarbeit und schufen mit ihrem stimmungsvollen Farbspiel sowie einer detaillierten Bewegungsstudie im Vordergrund eine für Betrachtende fast schon fühlbare Nähe zur Natur. A P H E N O A H realisierten zudem mehrere von Bernard verwendete Stilrichtungen, wie z. B. den Pointilismus und Symbolismus, in ihrer ca. 150m² großen Interpretation.

„Wir haben das Werk interpretiert, indem wir die Uhren weiter gestellt haben. Die Sonne hat den Zenit längst überschritten und steht tief über den Feldern, welche mehr und mehr abgeerntet werden. Dabei spielt nicht nur ihre ganz eigene Farbwelt und kompositorische Interpretation eine Rolle, sondern auch das Thema der Ernte an sich. Man könnte fragen, warum die sommerlichen Felder – nun großflächig im urbanen Raum gemalt – heute noch wert sind, dargestellt zu werden? Auch wenn die Errungenschaften der Menschen stetig vorangehen und wir uns mehr und mehr im städtischen Raum niederlassen, sind wir doch auf die ländlichen Gebiete und die Natur angewiesen. Durch den Fortschritt lassen wir die Natur nicht hinter uns. Gandhi formulierte einmal den Satz: Erst wenn man einen Traktor melken und mit seinem Mist die Felder düngen kann, werde ich ihn der Kuh vorziehen. Das unterstreichen auch die aktuellen Entwicklungen von Umwelt-einflüssen auf die Agrarwirtschaft. Hier beobachten wir, wie sehr wir von den Launen der Natur abhängig sind, um mit und durch sie leben zu können…“

APHENOAH

Impressionen aus der Entstehung des Kunstwerks

Bilder: Florian Yeh und Georg Barringhaus

© 2021. Dr. Hans Riegel Stiftung